Alltag in Japan

Straßenkreuzung in Shibuya (Stadtteil von Tokio)

Tokio: Straßenkreuzung in Shibuya

In diesem Artikel möchten wir Ihnen einige Eigenheiten und Besonderheiten der Japaner und des japanischen Alltags vorstellen, die uns auf unserer Reise durch Japan aufgefallen sind. Bestimmt findet sich der eine oder andere hilfreiche Tipp darunter.

Verhalten von Japanern in der Öffentlichkeit

  • Japaner schlafen in der U-Bahn (von einem Moment auf den anderen; sie wachen aber immer rechtzeitig zum Aussteigen wieder auf), schauen auf ihr Handy oder lesen ein Buch (selten).
  • Junge japanische Frauen haben meist eine (laute) Quiek-Stimme, sind oft stark geschminkt, tragen kurze Röcke und hochhackige Schuhe. (Theorie: Je größer die Stadt, desto kürzer die Röcke.)
  • Viele der jungen Japanerinnen stellen beim Laufen die Füße nach innen schief (laufen „über den großen Onkel“).
  • Wir sahen sehr wenige japanische Pärchen. Meist sind Frauen gemeinsam beim Shoppen unterwegs (wahrscheinlich arbeiten deren Männer, um das Geld zu verdienen, das die Frauen ausgeben).
  • Viele Jugendliche schnüren sich nicht die Turnschuhe, sondern steigen in die fertig geschnürten Schuhe, indem sie sie hinten platt treten. Beim Gehen schlurfen die meisten Jugendlichen.
  • Lautes Schnäuzen ist verpönt. Allerdings stört es keinen Japaner, wenn jemand in der U-Bahn eine halbe Stunde lang die laufende Rotznase hochzieht (selbst erlebt – eklig und nervig).
  • Vor allem Menschen in öffentlichen Positionen – wie bspw. Bahnbedienstete oder Busfahrer – tragen einen Mundschutz.
  • Entgegen der weit verbreiteten Ansicht, Japaner seien besonders höflich, sind viele (nicht alle!) Japaner recht rücksichtlos in ihrem Verhalten: sie drängeln sich vor, wenn man selbst nicht schnell genug ist; Männer halten Frauen nicht die Türe auf; sie stellen sich in den Weg, wenn man etwas fotografieren will. Kaum jemand entschuldigt oder bedankt sich. In Lokalen wird am Tisch geraucht, auch wenn noch jemand isst.
  • Japaner sind generell sehr freundlich und hilfsbereit. Wenn man sie etwas fragt (z.B. nach dem Weg), geben sie gerne Auskunft. Manchmal bieten sie einem sogar von sich aus Hilfe an, wenn sie merken, dass man ein Anliegen hat.

Regeln und Anleitungen, die das Leben vereinfachen sollen

  • Überall gibt es Hinweisschilder mit Regeln, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Verboten. Bei Schildern mit Vorschriften und Verboten kann man sich darauf verlassen, dass es auch eine englische Übersetzung gibt – was man sich bei hilfreichen Schildern nur allzu oft wünschen würde.
  • Auf Hinweisschildern sind oft im Comic-Stil gezeichnete Personen dargestellt – z.B. bei Baustellen ein Mann mit Schutzhelm, der sich verbeugt, um sich zu entschuldigen. Die Personen sollen anscheinend das Gemeinschaftsgefühl der japanischen Bevölkerung ansprechen.
  • Ständig ertönen akustische Warnsignale und Ansagen: Vogelgezwitscher in der U-Bahn, Pieptöne, wenn eine Fußgängerampel auf Grün steht oder ein gesprochener Warnhinweis am Ende einer Rolltreppe oder eines Rollbands.
  • Vor Baustellen (und sei sie auch noch so klein und abgelegen) steht immer eine Person, die die Passanten umleitet.

Essen und Trinken

  • In Restaurants sind Getränke relativ teuer. Es wird jedoch immer Wasser oder Grüntee kostenlos serviert.
  • In Sushi-Lokalen mit Fließband werden mańche Variationen nicht oder nur sehr selten gefertigt, obwohl sie auf der Karte stehen. In diesem Fall kann man bei den Mitarbeitern, die im Lokal herumlaufen direkt sein gewünschtes „Sushi-Modell“ bestellen. Dazu sagt man entweder den Namen der Variante (z.B. „Nigiri-Maguro“ für Thunfisch auf Reis oder „Sake-Maki“ für Lachs in Reis gewickelt) oder zeigt auf die entsprechende Abbildung auf der Karte.
  • In Lokalen (nicht bei Sushi) wird die Rechnung meist gleich beim Servieren umgekehrt auf den Tisch gelegt. Man bezahlt jedoch nicht am Tisch, sondern geht mit der Rechnung zur Kasse, die sich i.d.R. am Ausgang des Lokals befindet.
  • Wenn man mit dem Essen fertig ist und bezahlen möchte, deutet man das den Mitarbeitern an, indem man seine Zeigefinger oder Hände überkreuzt. Dies ist vor allem in Sushi-Lokalen notwendig, da der Preis hier erst nach dem Essen durch Abzählen der benutzten Teller feststeht.
  • In Japan gibt man kein Trinkgeld. Dies gilt auch z.B. für den Kofferträger im Hotel.
  • In alle Automaten (Getränke, Restaurant) wirft man zuerst das Geld ein und wählt dann das Gewünschte aus.
  • Getränkeautomaten nehmen i.d.R. 10-, 50-, 100- und 500-Yen-Münzen sowie Geldscheine an.

Verständigung / Englischkenntnisse

  • Fragt man Japaner „Do you speak English?“, so kommt als Antwort immer ein verschüchtertes „A little.“ – egal, ob sie sehr gut sprechen oder nur „yes“ und „no“ beherrschen.
  • Bedienungen in Restaurants und VerkäuferInnen in Geschäften sprechen so gut wie kein Englisch.
  • Angestellte an offiziellen Informationsschaltern (z.B. Touristeninformation) sprechen oft recht gutes Englisch in ganzen Sätzen.
  • Viele Produkte und Werbeslogans haben eine englische Bezeichnung – allerdings bestehen sie meist nur aus maximal drei Worten und nicht aus vollständigen Sätzen. Dies gibt recht gut die Englischkenntnisse des überwiegenden Teils der japanischen Bevölkerung wider. Auch offizielle Schilder sind hin und wieder fehlerhaft geschrieben.
  • Wir wurden selten von Japanern angesprochen, wenn dann nur von älteren. Die Jugendlichen sprechen so gut wie kein Englisch.
  • Die Zahl „1“ wird mit dem Zeigefinger angezeigt, nicht mit dem Daumen (das bedeutet „OK“). Eine andere Geste für „OK“ ist, mit Daumen und Zeigefinger ein „O“ formen.

Unterwegs in Japan

  • An Informationsschaltern erhält man immer ausreichend kostenlose Karten, Fahrpläne und ÖPNV-Netzpläne – meist auch ohne explizit danach gefragt zu haben.
  • In Bussen steigt man meist hinten ein und zahlt erst am Ende der Fahrt vorne beim Fahrer. Dort verlässt man auch den Bus.
  • In Japan herrscht Linksverkehr.
  • Die meisten Taxis verfügen über „autodoor“, das sind sich automatisch öffnende Hintertüren. Viele Taxifahrer tragen weisse Handschuhe. Die Rückbänke in vielen Taxis sind mit weissen Spitzendecken überzogen.
  • Taxifahrten sind verhältnismäßig teuer.
  • Bahnschaffner kontrollieren einen Wagen immer von vorne nach hinten, d.h. man sieht sie immer auf sich zukommen.
  • Niemand benutzt die Taschen für Tickets, die es in manchen Zügen gibt.
  • Die Menschen stellen sich in der Rush Hour auf Bahnsteigen und in der U-Bahn freiwillig in Zweierreihen an. Das erinnert an Ausflüge zu Schulzeiten.
  • Die Durchsagen im Schnellzug Shinkansen erfolgen immer auf Japanisch und auf Englisch. In den anderen Zügen der JR-Linie gibt es keine englischen Durchsagen. Vor den Durchsagen ertönt immer eine relativ lange Melodie, die sich teilweise wie ein Weihnachtslied anhört.
  • In vielen U-Bahn-Durchsagen bedankt man sich, dass man mit dieser Linie bzw. Gesellschaft fährt.
  • Fahrkartenautomaten geben beim Wechselgeld auch Geldscheine zurück.
  • Die Stockwerke in Gebäuden werden mit „1F“ (1st floor), „2F“ (2nd floor) usw. bezeichnet. Dabei ist das Erdgeschoß „1F“, der erste Stock „2F“ usf. Die Kellergeschoße heissen „B1F“ (basement, 1st floor), „B2F“ (basement, 2nd floor) usf.
  • In Aufzügen muss oft zusätzlich zum Knopf des gewünschten Stockwerks die Taste „Türe schließen“ gedrückt werden.
  • In Aufzügen stehen meist alle Mitfahrer mit dem Gesicht zur Tür.

Vorlieben der Japaner

  • Aufklapphandys sind sehr populär.
  • Die Sportarten Baseball und Fußball werden gern gespielt.
  • Es gibt unglaublich viele Spielhallen, in denen ein Spiel namens „Pachinko“ angeboten wird: Bei diesem Spiel wirft man nacheinander silberne Metallkugeln in das Spielgerät, das aussieht wie ein so genannter „einarmiger Bandit“. Die Kugeln fallen dann auf einem bestimmten Weg durch eine Reihe von Hindernissen. Je nachdem, wo die Kugel hinfällt, ergibt sich ein Gewinn. Da die Pachinko-Hallen immer gut besucht sind, scheinen die Gewinnmöglichkeiten recht hoch zu sein.
  • Zigarettenrauchen ist immer noch weit verbreitet.

Annehmlichkeiten des japanischen Lebens

  • An jeder Ecke – auch im kleinsten Ort und in Zügen – stehen Getränkeautomaten, aus denen man kalte und heisse Getränke herauslassen kann. Die Auswahl reicht dabei von Wasser über kalten Grüntee, Cola, Vitamingetränke und Bier bis hin zu Kaffee (kalt oder heiss). Die kalten Getränke sind dabei blau, die heissen rot gekennzeichnet. Die Preise sind akzeptabel, z.B. 120 Yen für eine Dose Kaffee (240 ml) oder 150 Yen für eine Dose Cola (0,5 l). Meist gibt es direkt bei den Automaten auch eine Tonne, in die leere Dosen eingeworfen werden können. Auf Automaten der Firma „BOSS“ macht Tommy Lee Jones Werbung.
  • Es gibt sehr viele automatische Schiebetüren, die sich allerdings erst öffnen, wenn man sehr nah davor steht und dann meist recht langsam aufgehen.
  • In Unterkünften (Hostels, Guest houses, Ryokans) werden so gut wie immer Kaffee und Tee (inkl. Wasserkocher) zum Selbermachen sowie Handtücher, Duschgel, Shampoo und Conditioner bereit gestellt. Duschgel und Shampoo sind jedoch oft von geringer Qualität und können recht aggressiv sein. Was oft fehlt sind Kleiderhaken und Kleiderbügel.
  • Man erhält massenweise Plastiktüten in Supermärkten und Kaufhäusern. Sogar eine einzelne Tüte Kartoffelchips wird nochmal in eine Plastiktüte eingepackt.
  • Moderne japanische Toiletten verfügen über einen beheizbaren Sitz (Temperatur regulierbar!), Deo, Musik, Bidet und Po-Dusche (meist auch in der Stärke variierbar).
  • Es gibt recht viele öffentliche Toiletten, auch z.B. in öffentlichen Parks. Ebenso können die Toiletten in Kaufhäusern kostenlos genutzt werden. Allerdings gibt es in vielen öffentlichen Toiletten keine Papiertücher oder Trockner, um seine Hände nach dem Waschen zu trocknen.

Sonstiges

  • Bevor man ein Haus oder einen Tempel betritt, zieht man seine Schuhe aus und geht auf Socken oder bereit gestellten Hausschuhen in das Innere. Manchmal stehen auch spezielle Toilettenschuhe bereit, die nur in der Toilette angezogen werden. In Ryokans, den traditionellen japanischen Unterkünften, zieht man die Hausschuhe aus, bevor man den Wohnraum betritt.
  • Viele Menschen in Japan tragen geschmacklose, bedruckte T-Shirts. Die meist sehr unpassenden und teilweise fehlerhaften Textaufdrucke sind wohl nur mit den mangelnden Englischkenntnissen vieler Japaner zu erklären. Da trägt dann schon mal der biedere Familienvater den Schriftzug „Bitch“ (Schlampe, Nutte, Zicke), ein verschwitzter und sehr korpulenter Mann wahlweise „I’m the freshest thing in beach“ (Ich bin das frischeste Ding in Strand) oder „Team Goddess“ (Team-Göttin).
  • Frauen bekommen bei der Anprobe von Blusen und T-Shirts einen Schutz aus Stoff über den Kopf, der das Kleidungsstück vor der Schminke schützen soll.
  • Überall hängen Lautsprecher der Marke BOSE.
  • Vereinzelt gibt es noch Toiletten, auf die man sich nicht setzen kann. Diese sind dann meist mit „Japanese Style“ gekennzeichnet (im Gegensatz zu den „Western Style“ Sitztoiletten).
  • Einige Häuser in Japan haben blaue, lackierte Dachziegel (Nur eine Modeerscheinung oder was ist der Zweck?).
  • Frisörgeschäfte („Barber Shop“) sind mit einer klassischen rot-weiß-blau-gestreiften, sich drehenden Röhre an der Eingangstür gekennzeichnet.
  • In den größeren Städten gibt es viele Verkehrsübungsplätze. Hier üben die Fahrschüler, bevor sie kurz vor der Prüfung ein- bis zweimal auf einer richtigen Straße fahren dürfen.
  • Nicht nur LKWs, sondern auch Kleinstbusse haben piepsende Einparkhilfen beim Rückwärtsfahren.
  • Man sieht keine Bettler in der Öffentlichkeit.
  • Es gibt sehr viele Überwachungskameras.
  • Autos sind oft „quadratisch, praktisch, gut“.
  • Es gibt (ausser in Tokio) sehr wenige Abfalleimer in den Straßen, Aschenbecher schon eher.
  • Die Namensschilder von McDonald’s-Filialen sind entweder mit lateinischen Buchstaben oder mit japanischen Schriftzeichen beschrieben.
  • Bei allen Sehenswürdigkeiten gibt es Stellen, die als optimale Plätze zum Fotografieren gekennzeichnet sind. Das wird von japanischen Touristen auch fleissig genutzt.
  • In Tempeln darf zum Fotografieren kein Stativ benutzt werden.
  • Japaner (vor allem die weiblichen) machen wirklich das „Victory“-Zeichen, wenn sie fotografiert werden.

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